35. EPC-Vertrag (Engineering, Procurement, Construction)
Der EPC-Vertrag (Engineering, Procurement, Construction) ist die international etablierte Vertragsform für PV-Großanlagen, insbesondere bei Projektfinanzierungen. Der EPC-Contractor verpflichtet sich, eine schlüsselfertige ("turnkey") Anlage zu festen Kosten und festem Termin zu errichten – inklusive der Erreichung definierter Leistungsparameter.
35.1 Drei Leistungssäulen
Engineering: Detailplanung der Anlage einschließlich Modullayout, Stringauslegung, Wechselrichterpositionierung, Trafostation, AC- und DC-Verkabelung sowie SCADA-Topologie
Procurement: Beschaffung aller Komponenten – häufig mit projektspezifischen Lieferantenvereinbarungen einschließlich Modul- und Wechselrichtergarantien
Construction: Errichtung, Inbetriebnahme, Übergabe der voll funktionsfähigen Anlage
35.2 Kernunterschiede zum klassischen GU-Vertrag
Aspekt |
Klassischer GU-Vertrag |
EPC-Vertrag |
|---|---|---|
Vertragsgrundlage |
ABGB, ÖNORM B 2110 |
Häufig FIDIC Silver Book (international) oder individueller Anlagenvertrag mit ABGB-Bezug |
Preisstellung |
Einheitspreis oder Pauschalpreis |
Fester Pauschalpreis ("Lump Sum") |
Termingarantie |
Möglich, aber nicht zwingend |
Zwingend ("date certain"), gesichert durch Pönalen |
Leistungsgarantie |
Mängelfreie Ausführung |
Mindest-Performance-Ratio im Performance-Test (z. B. 80–82 %), Pönalen bei Unterschreitung |
Risikoverteilung |
Differenziert nach Verursachung |
Risiko weitgehend beim Contractor (Boden, Wetter, Lieferkette) |
Bankability |
Eingeschränkt, projektspezifisch |
Hoch – Banken-Standardvertrag in Projektfinanzierungen |
35.3 Bankability als Kernkonzept
Bei einer Projektfinanzierung – also bei einer Finanzierung, die ausschließlich aus dem Cashflow des Projekts bedient wird – ist die finanzierende Bank im wirtschaftliche Risiko. Sie verlangt deshalb vom EPC-Contractor:
Festen Pauschalpreis ohne nachträgliche Anpassungen außer in eng definierten Ausnahmefällen
Festen Fertigstellungstermin mit Pönalen bei Verzug
Leistungsgarantie (Mindest-Performance-Ratio) mit Pönalen bei Unterschreitung
Erfüllungsgarantie der Konzernmutter oder Bankgarantie in Höhe von typischerweise 10 % der Auftragssumme
Bonität des Contractors, ausgewiesen durch Eigenkapital und Track Record
Diese Risikoallokation hat einen Preis: EPC-Auftragnehmer kalkulieren in der Regel deutlich höhere Margen als reine Generalunternehmer. Im Gegenzug erhält der Bauherr maximale Planungssicherheit – meist die Voraussetzung dafür, dass eine Bank das Projekt überhaupt finanziert.